Kopf des Monats | März 2017

                                   

Lennart Hintz

Lennart Hintz, geb. 1978, seit 2007 in der Schweiz.

Ausbildung: Studium der Medienwissenschaften (Technische Universität Braunschweig und Hochschule für bildende Künste Braunschweig)

Beruflicher Werdegang: Einstieg in die Mediaplanung bei Crossmedia in Düsseldorf, Online- und Offlineplanung

Seit 2007 bei MediaCom in Zürich in verschiedenen Positionen tätig: Mediaberater, Gruppenleiter, Director Planning (seit 2009), COO (Seit 2012), CEO (Seit 2016)

 

 


Interview: marketing.ch


Herr Hintz, Sie sind CEO der MediaCom Schweiz, einer der grössten Mediaagenturen der Schweiz. In welchen Bereichen ist die MediaCom Schweiz tätig?

MediaCom Zürich ist in vielen Bereichen tätig. Klassisch kommen wir – wie viele andere Mediaagenturen auch – aus den Bereichen Mediaplanung und Mediaeinkauf. Aufgrund der Makrotrends – Globalisierung, Digitalisierung, Individualisierung und Fragmentierung – haben sich die Kundenbedürfnisse weiterentwickelt. Wir verstehen uns heute als Agentur für Kommunikationsplanung und bieten unseren Kunden ganzheitliche Beratung und Planung über alle Kanäle an. Dazu gehören zum Beispiel Content, Research & Insights, Data & Analytics sowie alle digitalen Spezialdisziplinen wie etwa programmatische Lösungen. Darüber hinaus haben wir eine spezialisierte Verhandlungsunit, die für oder gemeinsam mit den Kunden Verhandlungen mit den Medien führt.

Wie sieht bei Ihnen ein “normaler” Arbeitsalltag aus?

Den „normalen“ Arbeitsalltag gibt es für mich nicht. Unser Geschäft funktioniert sehr schnell und dynamisch, und immer wieder gibt es Situationen, in denen wir schnell und flexibel reagieren müssen. Für mich sind vor Allem zwei Dinge sehr wichtig: Der regelmässige Austausch mit meinen Teams in der Agentur einerseits und Kundenmeetings andererseits. Ich möchte spüren, was die aktuellen Bedürfnisse der Kunden sind.

Die MediaCom ist einer der grössten Mediaagenturen weltweit. Inwieweit besteht Kommunikation und Zusammenarbeit innerhalb der Strategien und einzelner Projekte zwischen den weltweiten Standorten?

MediaCom hat meiner Ansicht nach ein sehr starkes globales Netzwerk. Wir stehen in regelmässigem Austausch mit den anderen Standorten sowie mit unserem zentralen EMEA-Team in London. Besonders eng ist die Zusammenarbeit mit Österreich, den Niederlanden oder den skandinavischen Ländern, da diese strukturell mit der Schweiz vergleichbar sind. Beim Austausch geht es insbesondere um neue Technologien, Tools und Planungscases. Interessanterweise gehört die Schweiz in einigen Bereichen zu den Ländern, die am Weitesten fortgeschritten sind.

Im Juni 2016 haben Sie die Geschäftsführung der MediaCom Schweiz übernommen. Inwieweit haben sich Ihre Vorstellungen der Tätigkeit bestätigt?

Da ich bereits seit 2012 als COO für die operative Geschäftsführung verantwortlich gewesen bin, war die Umstellung tatsächlich gar nicht so gross und ich wusste sehr genau, was mich erwartet. Die grösste Herausforderung ist es, der schnellen Entwicklung in den verschiedenen Bereichen Rechnung zu tragen: Qualität der Kundenberatung, Mitarbeiterzufriedenheit, Innovation und Effizienz der Arbeitsprozesse sind hier nur einige Stichworte.

Entscheidend für den Erfolg einer Agentur sind aus meiner Sicht die Mitarbeiter – und diese können nur dann gute Arbeit abliefern, wenn sie mit ihrem Umfeld und ihrer Arbeit glücklich sind. Um dem Rechnung zu tragen, haben wir bereits Anfang 2016 die neue Position des „Disruption Officers“ geschaffen. Seine Aufgabe ist es, bestehende Prozesse zu hinterfragen, zu analysieren und im Zweifelsfall zu unterbrechen und zu erneuern. Also „Disruption“ aktiv zu leben, um das Engagement der Mitarbeiter zu erhöhen.

Welchen Trends innerhalb des Werbemarktes erwarten uns in der Zukunft? In welchem Masse passen Sie anhand deren Ihre Unternehmensstrategien an?

Aus Konsumentensicht gedacht: Zunehmende Ablehnung von Werbung, mehr Clutter,  Fragmentierung der Mediennutzung sowie Smartphones, die bei der Nutzung mehr und mehr im Zentrum stehen. Technologieseitig sehe ich datengetriebene Strategien, programmatischen Einkauf sowie Automatisierung als entscheidende Faktoren an. Auf dem Schweizer Werbemarkt sehen wir eine zunehmende Konsolidierung der grossen Anbieter sowie einen verstärkten Wettbewerb mit den US-Werberiesen Google und Facebook.

Wir möchten in diesem Umfeld sicherstellen, dass unsere Kunden auch zukünftig Erfolg mit ihren Werbebotschaften haben und ihre Ziele erreichen. Das bedeutet, dass wir uns auf ganzheitliche Kommunikationslösungen über alle Kanäle fokussieren, in gute Beratung investieren und auch neue Bereiche wie Consumer-Insights und MBA Media Beyond Advertising) ausbauen und verstärken.

Was sind Ihre Ziele mit der MediaCom Schweiz für die nächsten Jahre?

Ich möchte erreichen, dass Kunden uns als einen Partner sehen, der exzellente Beratung liefert und für Innovation der Kommunikation steht. Darüber hinaus gibt es einige Schweizer Kunden, für die ich sehr gerne arbeiten würden.

Wie managen Sie in Ihre anspruchsvolle Position als CEO, sodass Ihre Freizeit nicht zu kurz kommt? Stichwort Work-Life-Balance.

Ich mag meine Arbeit sehr gerne und empfinde sie nur sehr selten als Belastung. Darüber hinaus ist das Agenturgeschäft zwar sehr dynamisch, bietet aber auch mehr Flexibilität als das vielleicht auf Unternehmensseite der Fall wäre. Daneben versuche ich, mir regelmässig Freiraum zu schaffen und Zeit mit der Familie zu verbringen oder Sport zu treiben. Darüber hinaus reise ich sehr gerne und lerne neue Städte oder Länder kennen.

 

Wir bedanken uns ganz herzlich für die aufgebrachte Zeit, die Sie sich für unser Interview genommen haben und wünschen Ihnen für die Zukunft weiterhin alles Gute!