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Ostschweizer Marketing Forum 
 
  
 
  Wachstum fördern - oder wie mit Innovationen dem Preiskrieg zu entgegnen ist.
 
  An die 200 Marketingfachleute trafen sich am Donnerstag Abend im Rahmen des 4.  
  Ostschweizer Marketingforums in St.Gallen. Drei Referenten und eine anschliessende 
  Podiumsdiskussion nahmen sich dem Thema "Wachstum" an. Oder genauer gesagt - Was 
  kann das Marketing dazu beitragen, dass ein Unternehmen durch Innovationen Mehrwerte 
  schaffen kann, ohne sich dabei dem langfristig ruinösen Preiskampf ausliefern zu müssen.

  Thorsten Tomczak liefert dabei den wissenschaftlichen Input, während Claudia Bodmer
  und Erich Kienle Ihre Erfahrungen aus der Praxis erläuterten.

 
                  
                                                

  Referat Prof. Torsten Tomczak
  Referat Cornelia Bodmer-Ros
  Referat Erich Kienle


  Prof. Torsten Tomczak, Institut für Marketing und Handel, Universität St.Gallen
  
 

Wie werden Wachstumspotentiale geschaffen?
Prof. Tomczak begann sein Referat mit einer allgemeinen Lagebeurteilung. Dabei stellte er zwei Tatsachen in den Fokus.
 
Konsumentenunsicherheit
Die Stagnation des Binnenmarktes, die unsichere Lage auf dem Arbeitsmarkt und weitere Zukunftsängste liessen die Konsumfreudigkeit in den letzten Monaten stark zurück gehen.
 
Smart Shopping
Erfolgreiche Discountkonzepte stellen bisherige Anbieter vor zum Teil unlösbar scheinende Probleme. Unternehmen wie MediaMarkt oder Produktelinien wie M-Budget werden fast aus- schliesslich über das Kriterium Preis gekauft. Denn die Qualität der Produkte hat sich derat angegleichen, so dass die Güter kaum mehr voneinander unterscheidbar sind und der Preis dann eben das kaufentscheidende Kriterium ist. Wer also nicht über die notwendige Marktmacht verfügt, kann diesen Preiskampf unmöglich erfolgreich führen.
 
Diese unumstössliche Ausgangslage zwinge Unternehmen, Ihren Auftritt im Markt zu verbessern, teilweise auch zu ändern, so Tomczak. Aber wie?
 
Dafür zeigte Prof. Tomczak drei Ansatzpunkte auf, die eigentlich nicht neu sind, noch heute aber von vielen Unternehmen nicht konsequent umgesetzt werden.
 
Das Old Marketing besser machen.
Den Kunden freundlich betreuen, die eigenen Leistungen fehlerfrei erbringen oder Werbe- kampagnen so führen, dass sie auch wirklich funktionieren, ist längst nicht in allen Unternehmen Alltag. Oder nur schon die richtige und marktgerechte Marktsegmentierung, Grundlage einer jeder erfolgreichen Marketingmassnahme, wird oft vernächlässigt oder einfach nur schlecht umgesetzt.
 
New Marketing
Echte Innovationen sind laut Prof. Tomczak heute eigentlich gar nicht mehr zu erbringen. Aber das Marketing, der Vertrieb oder die Kommunikation können innovativ sein. Am besten alles zusammen. Am Beispiel ipod (MP3-Player Serie von Apple) zeigte Prof. Tomczak auf, was damit gemeint ist.
Apple verstand es als einziger Anbieter auf dem Markt, einen MP3-Player zu lancieren, der mit seinen Leistungen und dem Preis eigentlich der Konkurrenz unterlegen ist, sich aber trotzdem einen Marktanteil von 80% erobert hat.

  - Zum einen verstand es Apple, das Gerät über die verschiedenen Kommunikations-
  massnahmen den unterschiedlichsten Kundengruppen "schmackhaft" zu machen; der älteren 
  Generation mit der einfachen Bedienung, den Sportlern mit der Tragbarkeit, den Avantgardisten 
  mit dem individuellen Design, etc.
  - Apple erreichte durch Kooperationen wie zum Beispiel mit Bose, seinen Kunden ein 
  einmaliges wie technisch hochstehendes Suroundsystem anbieten zu können. Mit der 
  Kooperation mit BMW erreichte man einen weiteren Absatzkanal, usw.

  - und was war mit all den Kunden, die die Marke Apple nicht kaufen wollten? Ganz einfach. 
  Man verkaufte die Technologie Hewlett Packard, die wiederum produzierten genau das gleiche 
  Gerät und setzte einfach das HP-Logo drauf. Problem gelöst.
 
Und was braucht es, um überhaupt auf solche Ideen zu kommen? Nicht viel. Nur eine Per- spektive die zwei Seiten ausleuchtet.
- Die Insight-out-Perspektive: Vom Unternehmen auf den Markt. Was können wir? Was wollen wir? Wie wollen wir es?
- Die Outside-in-Perspektive: Wer sind unsere Kunden? Was sind ihre Wünsche? Welches sind ihre Präferenzen?
 
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Unternehmen vielfach noch genügend Spiel- raum haben, sich durch Verbesserungen im "Old Marketing" verbessern zu können. Und wenn diese Schritte erfolgreich hinter sich gebracht sind, erhalten Innovationen im Produkteportfolio, in der Denkweise und in der Massnahmengestaltung unschätzbaren Wert.

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  Frau Cornelia Bodmer-Ros, VR-Präsidentin Stahlton AG, Zürich
  
 
 
Frau Bodmer war es vorbehalten, die an sich konservative Baubranche zu durchleuchten und auf Innovationspotential hinzuweisen.
 
Warum aber gilt die Baubranche als konservativ? Im Bau werden seit Jahrzehnten, wenn nicht sogar Jahrhunderten die gleichen Materialien verwendet. Sogar die Bauverfahren haben sich im Wesentlichen nicht viel geändert. Und trotzdem steht auch die Baubranche vor neuen Problemen.
 
Bis vor einigen Jahren war es noch so, dass neue Baumaterialien kaum hinterfragt worden sind. Bot ein Unternehmen wie die Stahlton (Stahl und Ton) einen neuartigen Ziegelstein vor, so wurde dieser von den Bauherren umgehend eingesetzt, ohne dabei Mehrnutzen bzw. Mehrpreis zu hinterfragen. Heute gehe das nicht mehr, so Bodmer. Heute müssen klare Erwartungen der Kunden erfüllt werden.

Dafür setzt die Stahlton sogenannte Innovationsteam ein

Aber Innovationen alleine reichen nicht aus, um sich erfolgreich auf dem Markt behaupten kann. Ein Unternehmen müsse durch die Innovationen selbst und auch durch andere betriebswirtschaftliche Massnahmen ihre Produktivität und vor allem ihre Wirtschaftlichkeit verbessern, um das nötige Wachstum erreichen zu können, so Bodmer-Ros.

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  Erich Kienle, Marketingleiter und Mitglied der GL Emmi AG
  
 
 
Dem Geiz fehlt der Geist
 
Als grösster Schweizer Milchproduzent ist Emmi zur Zeit auf besten Weg, mit seinen Produkten auch den europäischen und den globalen Markt zu erobern. Grund genug nach zu fragen, wie das Marketing zu diesem Erfolg beigetragen hat.
 
Grundsätzlich verwehrt sich die Emmi ganz klar jeglichem Preiskampf. Nach Ansicht Kienles verliert ein Unternehmen den innovativen Spirit, sobald es sich auf den Harddiscount einlässt. Einmal drin, komme man da nicht mehr raus, so die Meinung Kienles. Und gerade dies sei kurz- oder langfristig der sichere Misserfolg. Insbesondere im Detailhandel.
 
Denn nur Innovationen schaffen es, bestehende Produkte aus den Regalen zu verdrängen. Wirkliche Innovationen sind aber nach der Meinung Kienles heute kaum mehr möglich. Was man aber ändern kann, ist die Technik. Als Vergleich nannte Kienle den Wechsel bei den Skispringern zum V-Sprungstiel. Zwar wurde immer noch von einer Schanze mit zwei Skiern gesprungen, aber mit dem neuen Stil vermochten die Athleten bis zu zehn Meter weiter zu fliegen.
 
Und genau das müssen auch Unternehmen erreichen zu versuchen. Bei der Emmi zum Beispiel spielt dabei die Verpackung eine der tragendsten Rollen überhaupt. Denn kein Inserat oder kein TV-Spot helfen dabei, den Konsumenten vor dem Regal zu beeinflussen. Also beschäftigt die Emmi zwei eigene Grafiker, die wesentliche Mitarbeit auf die Verpackungs-Gestaltung nehmen und das betriebseigene Know-How miteinfliessen lassen.

Wo aber entstehend bei der Emmi die Innovationen?
Erich Kienle meinte dazu, er habe in seiner langjährigen Tätigkeit bei der Emmi schon an unzähligen Innovations-Meetings teilgenommen. Noch nie sei daraus allerdings eine neue Idee bzw. ein neues Produkt entstanden. Innovationen entstehen nach seiner Meinung aus dem Tagesgeschäft.

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  Fazit

  Die Kombination aus wissenschaftlichem und praxisbezogenem Ansatz überzeugte die Besucher, vor allem auch durch die
  meist rhetorisch ausgezeichneten Referenten. Die anschliessende Podiumsdiskusion bot den Zuschauern die Möglichkeit, 
  allfällige Fragen zu stellen oder Kritiken anzubringen.

  Der erfolgreiche Wechsel vom Casino Herisau in die Olma Hallen in St.Gallen zeigte sich vor allem im reichlich vorhandenen 
  Platz in den Pausen.

  Die 200 Gäste sind bereits eine ordentliche Zahl an Teilnehmern, dürfte aber bestimmt noch steigerungsfähig sein. Die 
  Organisatoren planen bereits entsprechende Schritte.

 


  Facts
  Ort: Olma Messen, St. Gallen
  Datum: 17. November 2005
  Zeit / Dauer: 16.00 Uhr bis ca. 20.30 Uhr
  Teilnehmer: 200
  Referenten: Prof. Dr. Torsten Tomczak, Cornelia Bodmer-Ros, Erich Kienle
  Webseite: www.marketing-forum.info
  
 
  Ausblick 2006
  
  nächste Austragung: 16. November 2006