Thomas Widlberger

Chief Executive Officer bei Publicis Communications Schweiz

Thomas Wildberger ist in Zürich geboren und aufgewachsen. Nach einer KV-Lehre bei der Migros fing er 1993 als Junior-Texter bei Leo Burnett an und ging zwei Jahre später für längere Zeit nach Deutschland. In Hamburg arbeitete er als Texter und Creative Director bei Jung von Matt sowie Springer & Jacoby. 2002 zog er nach Berlin, wo er zuerst als Freelancer tätig war und danach mit seinem Partner die Werbeagentur Römer Wildberger gründete. 2012 lockte ihn ein Angebot als Chief Creative Officer von Publicis zurück in die Schweiz. Wildberger gelang es, die Agentur wieder zu einer kreativen Top-Adresse zu machen und wurde 2016 zum CEO ernannt. Der 44-Jährige ist heute für die Werbeagenturen Publicis, Leo Burnett, Alpha 245 und Saatchi & Saatchi verantwortlich und wohnt mit seiner Frau Christiane, Tochter Lele und Hündin Lotte in Küsnacht.

 

Herr Wildberger, Sie sind seit Oktober 2016 CEO von Publicis Communications Schweiz. Davor waren Sie bereits mehrere Jahre als CCO tätig. Wie hat sich Ihre Arbeit seit dem Wechsel verändert?

Es war nur ein kleiner Tausch eines einzelnen Buchstabens, aber eine grosse Veränderung für mich. Auf einmal ist man für wirklich alles verantwortlich. Also nicht mehr „nur“ für das kreative Produkt, sondern auch für die wirtschaftliche Situation. Und damit für wirklich jeden einzelnen Angestellten, dessen Wohlbefinden und Weiterentwicklung.

 

Wenn Sie einen «normalen» Arbeitstag beschreiben müssten, wie sähe dieser aus? Gibt es diesen überhaupt in Ihrer Funktion?

Das Schöne an der Werbung ist, dass jeder Tag durch die unterschiedlichen Aufgabenstellungen und Herausforderungen unserer Kunden immer wieder anders ist. Konstanten gibt es aber auch. Zum Beispiel, dass ich stets das grosse Ganze im Auge behalten muss: unser „Power of One“ Modell. Dabei geht es darum, die vollintegrierte und enge Zusammenarbeit unserer zahlreichen Firmen und Spezialisten an unserem Standort an der Stadelhoferstrasse zu fördern und aufeinander abzustimmen. Was ganz im Sinne modern denkender Kunden ist, die so von der gesamten Publicis Gruppe profitieren können, also der Expertise aus Kreation, Technologie, Media und Produktion – vier Bereiche, die untrennbar miteinander verbunden sein müssen.

Publicis Communications Schweiz ist die grösste Kommunikationsagentur hierzulande. Erfolge und Misserfolge werden in dieser Branche an konkreten Projekten gemessen. Wie gehen Sie mit diesem Druck um?

Indem man gar nicht gross darüber nachdenkt, ob man Erfolg hat oder nicht, sondern seinen Job nach bestem Wissen und Gewissen macht und dabei die Leidenschaft vorne anstellt. Wer gerne Probleme für seine Kunden löst und dabei seiner Kreativität freien Lauf lässt, der hat schon mal sehr gute Karten, dass ein Projekt erfolgreich wird.

Im Mai 2016 wurden Sie zum “Werber des Jahres 2016” gekürt, einer der bedeutendsten Schweizer Preise der Kreativbranche. Was bedeutet Ihnen der Preis und inwiefern bestätigt dieser Ihnen Ihre Arbeit und Ihr Engagement, gerade auch im Hinblick auf den kurz darauffolgenden Wechsel aus der Kreativabteilung in die gesamtunternehmerische Leitung?

Ich habe mich sehr gefreut, da ich den Titel nicht nur wegen ein paar Arbeiten erhalten habe, sondern weil er eine Leistung honoriert hat, die wir als Agentur über einen längeren Zeitraum erbracht haben. Der Terminus „des Jahres“ war also durchaus angebracht, denn Publicis macht konstant kreative und erfolgreiche Arbeit auf zahlreichen sichtbaren, bekannten Kunden und ist dafür mehrfach an Kreativ- und Effizienzwettbewerben ausgezeichnet worden.

 

Vermissen Sie die aktive Mitarbeit bei der Umsetzung von Kommunikationsprojekten? Wenn ja, was genau?

Klar, der Job des CEO beansprucht mich administrativ sehr stark. Aber wenn die Situation es erfordert oder erlaubt, involvieren mich meine Kreativ-Teams in einzelne Projekte. So kann es vorkommen, dass ich gewisse Dinge selber in die Hand nehme. Vom Texte schreiben bis zum Filme drehen. Was ich überhaupt nicht vermisse, sind tagelange Abwesenheiten und Übernachtungen in Hotels. Ich versuche daher, Termine so oft wie möglich bei uns in der Agentur stattfinden zu lassen und abends immer zu Hause zu sein.


Was bedeutet Ihnen das entgegengebrachte Vertrauen der grössten Schweizer Unternehmen, beispielsweise SWISS, Migros und Jura, zur Realisierung ihrer Kommunikationsprojekte? Ist dies mittlerweile «Alltag» geworden mit weltweiten Bekanntheiten wie Roger Federer zusammen zu arbeiten?

Du bist nur so gut wie deine letzte Kampagne. Wenn man also jedes neue Projekt noch besser machen möchte als den letzten, dann helfen keine Routine-Abläufe. Man startet immer wieder bei null, also beim weissen Blatt Papier. Entsprechend viel bedeutet mir das Vertrauen unserer Kunden, wenn sie an uns glauben und davon überzeugt sind, dass wir es jedes Mal von Neuem schaffen, sie mit unseren Ideen zu überraschen und überzeugen.

 

Welche Trends innerhalb des Werbemarktes erwarten uns in der Zukunft? In welchem Masse passen Sie anhand deren Ihre Unternehmensstrategien an?

Das Zelebrieren von Kreativität UND Technologie, indem wir das eine für das andere nutzen und zu einem einzigartigen Erlebnis verschmelzen. Dabei werden Daten eine übergeordnete Rolle spielen.

Was sind Ihre Ziele mit Publicis Communications Schweiz für die nächsten Jahre?

Wir haben verschiedene Ziele, die ich hier nicht alle verraten möchte. Aber ein Projekt wird sein, für einen unserer Kunden eine vollintegrierte Agentur innerhalb der Agentur zu installieren, sozusagen ein „Power of One“ in Klein. 25 Experten aus Kreation, Strategie, Beratung, Media und Produktion in einem Raum, die so in einem noch effizienteren Prozess Kommunikation entwickeln, aktivieren und laufend optimieren – und das zu 100% datenbasiert und im permanenten Austausch mit dem Kunden. Dieses Modell werden wir bis Ende des Jahres immer weiter perfektionieren und danach für weitere Kunden anwenden.

Wie managen Sie in Ihre anspruchsvolle Position als Chief Executive Officer, sodass Ihre Freizeit nicht zu kurz kommt? Stichwort Work-Life-Balance.

Es ist kaum zu glauben, aber ich arbeite als CEO nicht mehr als vorher. Vielleicht auch deshalb, weil ich immer weiss, wann Schluss ist. Wie zum Beispiel jetzt 😉

Wir von marketing.ch bedanken uns ganz herzlich bei Ihnen für ihre Zeit und das spannende Interview!

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