Nun ist es also offiziell: Jung von Matt schafft den Vorstand ab und etabliert einen Partnerkreis. Gleich 15 leitende Mitarbeiter sollen künftig über die Geschicke von Deutschlands Vorzeigeagentur entscheiden – in einer Führungsstruktur, die sich an Anwaltskanzleien und Unternehmensberatungen orientiert. In der Realität ist das neue Modell aber vor allem eins: ein Ausbau der Machtposition von Peter Figge.

Der 52-Jährige ist künftig Alleinvorstand der Gruppe. Außerdem hat er eine starke Stellung in der Beteiligungsgesellschaft, die die JvM-AG kontrolliert. Alle wichtigen Entscheidungen werden über seinen Tisch gehen. Daran ändert auch nichts, dass es jetzt ein erweitertes Partnermodell gibt, das die Gruppe und ihr Führungsgremium – so die Eigen-PR – “flacher, schneller und jünger” machen soll.

Man muss sich das Konstrukt mal etwas genauer angucken: In Zukunft soll es also einen zunächst 15-köpfigen Partnerkreis (offen für weitere Mitarbeiter) geben, der die Gesamtführung bildet. Aus diesem Kreis werden drei Ressorts mit jeweils drei Partnern gebildet, die für jeweils ein Jahr gewählt werden. Außerdem gibt es einen sogenannten “Jungrat” aus sechs Mitarbeitern unter 30 Jahren, die zu allen Treffen der Gesamtführung eingeladen sind. Auch sie sind für jeweils ein Jahr gewählt.

Mal abgesehen davon, dass Arbeitskreise nicht das erste sind, was einem zur JvM-Kultur einfällt: Man muss nicht unbedingt Machiavelli gelesen haben, um zu verstehen, wem ein solches Führungsmodell nützt. Anders formuliert: Wer kein großes Interesse daran hat, dass sich eine starke zweite Reihe profiliert, könnte auf die Idee kommen, genau solch ein “Teile-und-herrsche”-Modell einzuführen. Bei wirklich zentralen Themen, die über die Organisation des alltäglichen Geschäfts hinausgehen, wird in einer AG – die Jung von Matt weiterhin bleibt – am Ende doch der Vorstand entscheiden. Und der besteht künftig nur noch aus einer Person, nämlich Peter Figge. Er hat also mehr Macht denn je seit seiner überraschenden Verpflichtung im Jahr 2010.

Nun ist Figge viel zu schlau, um plump durchzuregieren. Er weiß genau, dass er in einer Agentur wie Jung von Matt speziell in der Kreation Top-Leute braucht, die frei arbeiten können. Auf Ebene der Einzelfirmen wird das sicher gewährleistet sein. Wie es um den Einfluss auf Gruppen- beziehungsweise AG-Ebene aussieht, steht auf einem anderen Blatt. Lohnenswert ist in diesem Zusammenhang auch ein Blick auf die Zusammensetzung des Partnerkreises. Es fällt auf, dass dort vor allem Männer, Vertreter der klassischen Werbung und Führungskräfte aus Hamburg sitzen. Nicht zuletzt solche, die über das bisherige Partnermodell schon Anteile halten. Es fehlen Vertreter fast aller anderen Standorte (nur Till Eckel aus Berlin ist dabei) sowie die anderer Disziplinen. Laut Figge ist aber dafür Sorge getragen, dass sie angemessen eingebunden werden. Wie genau? Angeblich zu kompliziert zu erläutern – und nichts für die Öffentlichkeit.

Ein Wort noch zum künftigen Aufsichtsrat Jean-Remy von Matt: Er soll eine aktive Rolle spielen. Wer ihn kennt, weiß, dass ihm das nicht schwerfallen dürfte, zumindest bei ihm wichtigen Themen. Dennoch will er langsam “ausfaden”. Welche Aufgaben er im Aufsichtsrat übernimmt, wird sich zeigen. Auch, wie das Kontrollgremium künftig zusammengesetzt ist. Das letzte Wort darüber hat bei Aktiengesellschaften die Hauptversammlung, also die Anteilseigner. Dreimal dürfen Sie raten, wer hier eine besonders machtvolle Stellung hat? Und noch eine Frage: Wer ist künftig eigentlich das kreative Gesicht der Agentur?

 

Quelle: HORIZONT

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