Fielmann, Europas Marktführer in der Optikerbranche, investiert in virtuelle Realität und 3D-Anproben für Brillen. Das neue Anprobe-System ist Teil der Omnichannel-Strategie des Unternehmens. Denn selbst derart grosse Konzerne kommen nicht mehr ohne den Online-Markt aus.

Ohne Online-Marketing geht es nicht mehr

Dass Online-Marketing auch in der Optikerbranche wichtig ist, steht ausser Frage. Jedes Unternehmen muss wirksam auf sich aufmerksam machen, und einen Grossteil potenzieller Kunden findet man im Internet. Der Einkauf verläuft bequem und schnell, und in der Regel können Optiker hier auch günstigere Preise anbieten, da Kostentreiber wie Personal und Filialbetrieb eingespart werden können. Nach dem Bundesamt für Statistik liegt die Schweiz im internationalen Vergleich sehr weit vorn beim Online-Shopping. Der Markt wuchs in den vergangenen Jahren stetig um 7–8 Prozent pro Jahr.

Dass die Kundschaft online ist, beweisen branchenführende Online-Optiker wie Edel-Optics. Das Unternehmen vertreibt Brillen vor allem über seinen Online-Shop, und das in mittlerweile 53 Ländern. Viel Geld fliesst in den Marketing-Bereich. Dazu zählen Kooperationen mit namhaften Stars wie dem Fussballspieler Jérôme Boateng, YouTube-Kanäle unter der Schirmherrschaft des sogenannten „Master of Glass“ und die Online-Anprobe.

Letztere ist ein entscheidender Faktor für das Funktionieren des Online-Handels in der Optikerbranche. Der Brillenkauf im Geschäft hat immer noch Vorteile, denn die Anpassung der Sehhilfe ist sehr individuell und unterliegt vielen verschiedenen Parametern. Mit der virtuellen Anprobe eröffnet die Branche den Kunden aber vollkommen neue Möglichkeiten. Kunden können ein Foto von sich im Onlineshop hochladen und die Brillenmodelle so virtuell anprobieren. 360°-Ansichten zeigen genau, wo und wie die Sehhilfe sitzt. Spätestens seit die Brille ein Mode-Accessoire geworden ist und vermehrt auch von Menschen getragen wird, die keine Sehschwäche haben, kommt es verstärkt auf den modischen Aspekt an. Und dieser wird mittels der virtuellen Anprobe ermöglicht – bequem und schnell, wie es typisch für den Einkauf im Internet ist.

Fielmann zieht nach

Den Umstand, dass Optiker online Kundschaft finden und Umsatz generieren, sieht nun auch Europas grösstes Optikerunternehmen Fielmann, das immer noch einen starken Fokus auf dem Filialgeschäft hat. Mit der Zusammenarbeit mit Augmented-Reality Spezialist FittingBox S.A. beginnt man nun, den Online-Markt stärker in der Unternehmensstrategie zu implementieren. Pressemitteilungen zufolge soll die Technologie des französischen Unternehmens im Bereich 3D-Anprobe für Brillen den gegenwärtigen Alternativen auf dem Markt deutlich überlegen sein. Nach einer Testphase in Österreich soll das neue System auch in anderen Ländern eingeführt werden.

Auch wenn der Online-Brillenmarkt erfolgreich ist – das Filialgeschäft ist noch lange nicht abgeschrieben. Wer nämlich gesundheitliche Probleme hat und etwa unter einem Grauen Star oder einer sehr hohen Dioptrienzahl leidet, benötigt geschultes Personal, das den gesundheitlichen Zustand des Kunden genau einschätzen kann. Denn gegenwärtig können Fragen über den Winkel, in dem das Auge auf das Glas blicken muss, oder welche Sehstärke genau benötigt wird, online noch nicht beantwortet werden. Hier liegt das Filialgeschäft aktuell klar im Vorteil.

Fest steht aber, dass die Optikerbranche ohne Online-Markt nicht mehr auskommen wird. Und aktuell sind die technischen Umsetzungen, die die Vorteile der Filiale in das Online-Geschäft transferieren, noch nicht ausgeschöpft. Der Markt wird sich demnach weiter entwickeln.

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