Reality-Check: Neun Monate Sparkassen-App – Kommt Mobile Payment jetzt in der breiten Masse an?

Nach Google Pay gingen letzten Sommer auch die deutschen Sparkassen mit einer eigenen Bezahl-App an den Start, auch Apple bietet seit Dezember seine Bezahllösung in Deutschland an. Haben wir jetzt einen Durchbruch beim Mobile Payment in Deutschland erreicht, oder handelt es sich eher um ein Strohfeuer? Panagiotis Karasavvoglou, Head of Merchant Services bei Worldline, blickt im aktuellen Reality Check auf den Start der Sparkassen-Anwendung zurück und beurteilt die Chancen und Voraussetzungen der Technologie allgemein.


Check 1: Die App ist ein voller Erfolg.

Seit dem Launch Ende Juli 2018 wurde die Anwendung „Mobiles Bezahlen – Ihre digitale Geldbörse“ bis Ende März dieses Jahres 493.000 Mal heruntergeladen. Diese App ist nicht zu verwechseln mit „Ihre mobile Filiale“, einer allgemeinen Banking-Anwendung der Sparkassen, die es schon länger gibt und die deshalb auch mehr Nutzer hat. Aber auch beim Mobile Payment liegt die Lösung der Sparkassen deutlich vor der der Volksbanken. Auch wenn die Sparkasse die größte unter den deutschen Banken-Apps ist, bleibt abzuwarten, wie sie sich im Vergleich zu Google und Apple Pay schlägt.

Vor allen die Integration des beliebten Pay Palkönnte Google Pay zu mehr Marktanteilen verhelfen. Die amerikanischen Großkonzerne sind nicht zuletzt Vorreiter was die Nutzerfreundlichkeit und den Komfort bei Bezahlformen angeht. Andererseits kann man davon ausgehen, dass eine deutsche Bank ein größeres Vertrauen bei den Nutzern genießt als die amerikanischen Konzerne. Daher lässt sich noch nicht sagen, ob die App langfristig ein Erfolg wird – auf einem guten Weg befindet sie sich jedenfalls.

Check 2: Bezahlen wir bald alle mit dem Smartphone?

Das wird in absehbarer Zeit in Deutschland nicht passieren. Auch wenn im letzten Jahr erstmals die Kartenzahlungen das Bargeld überholt haben, werden vor allem kleine Beträge immer noch am liebsten bar bezahlt. Außerdem bedeutet die Nutzung der Payment Apps aktuell noch einen Mehraufwand für Kunden, ohne wirklichen Mehrwert. Sie müssen die App installieren und dort ihre Kontodaten hinterlegen. Demgegenüber steht die weitverbreitete Girocard (langläufig als EC-Karte bezeichnet), mit der man ohne zusätzliche Aktionen kontaktlos bezahlen kann. Damit sich das Bezahlen mit dem Handy flächendeckend durchsetzt, müssten die Anbieter der Apps also noch Zusatzfunktionen bieten, etwa besondere Rabatt- und Bonusaktionen. Natürlich sind die Bezahlvorlieben auch ein Generationenthema.

Sobald die Smartphone-Generation in den nächsten Jahren finanzkräftiger wird, verbreitet sich auch das Mobile Payment weiter. Die Infrastruktur dafür ist vorhanden: spätestens seit einer breiten Initiative der Deutschen Kreditwirtschaft im vergangenen Jahr sind geschätzte 95% der Zahlterminals in Deutschland NFC-fähig. Diese Technologie ist die Grundlage für kontaktloses und Mobile Payment. Ein ganz anderes Problem ist, dass viele Händler, besonders kleinere Geschäfte oder Läden im ländlichen Raum, sich dessen nicht bewusst sind. Hier besteht Nachhol- und auch Schulungsbedarf, auch beim Kassenpersonal.

Check 3: Der Handel ist gut auf die Neuerungen vorbereitet.

Das trifft allenfalls teilweise zu, auf große und innovative Handelsunternehmen. Die Besitzer von kleinen Läden, Restaurants, Cafés etc. tun sich noch immer schwer mit der neuen Technologie. Größtes Problem sind alte Terminals, die nicht über die erforderliche NFC-Schnittstelle verfügen. Hier sind Händler gefordert, ihre Geräte zu modernisieren. Ob mit Karten, Mobiltelefonen oder auf noch anderen Arten, mobiles Bezahlen wird sich in Zukunft weiterverbreiten. Wer sich darauf nicht vorbereitet, verliert womöglich Kunden. Neben der technischen Seite ist die Einführung der neuen Bezahlverfahren auch Einstellungssache. Mitarbeiter müssen sich darauf einlassen und gegebenenfalls im Umgang mit den Geräten geschult werden. Eine „Nur-Bares-ist-Wahres-Mentalität“, die man noch bei einigen Händlern antrifft, ist nicht mehr zeitgemäß.


Fazit

Wenn sich schon die altehrwürdige Institution der Sparkasse mit Mobile Payment beschäftigt, zeigt das eines: Die Technologie kommt langsam in der Mitte der Gesellschaft an. Das ist nicht mehr nur etwas für absolute Tech-Pioniere und Startups. Zwar wird sich auf kurze Zeit an den bisherigen Zahlgewohnheiten nicht allzu viel ändern, aber mittelfristig müssen sich Händler darauf einstellen, dass die Bezahlmethoden immer vielfältiger werden. Wer nur Bargeld und Girokarte akzeptiert, wird dann schlechtere Karten haben. Service Provider, die Terminals bereitstellen und die Zahlungsabwicklung übernehmen, helfen Händlern schon heute dabei, sich auf diese Zukunft vorzubereiten. Ebenso unterstützt equensWorldline Banken wie die Commerzbank und schafft mit einer Mobile Payment-Plattform die Grundlage für ein modernes und digitales Bezahlerlebnis für ihre Kunden.

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