2018 war ein turbulentes Jahr in der Schweizer Medienlandschaft und von Konzentrationsprozessen, Einstellungen und Übernahmen geprägt. Das DELPHInarium, das Experten-Panel von Publicom, fragt in der ersten Ausgabe 2019: Was erwarten Medienexperten vom bereits nicht mehr so neuen Jahr?

Wenn es nach den befragten Experten geht, ist 2019 für die „alten“ Medien keine Trendwende absehbar: Sie gehen von einem weiter rückläufigen Werbevolumen für Presse, TV und Radio aus[1]. Lagen die kumulierten Umsätze dieser drei Gattungen 2016 noch bei 2’214 Mio. Franken und 2017 bei 2’042 Mio. Franken (Zahlen der Stiftung Werbestatistik Schweiz), schätzen die Medienexperten das Volumen für 2019 auf noch 1’849 Mio. Franken (Abbildung 1). Das entspricht einem weiteren Rückgang von knapp 10% gegenüber 2017. Genau umgekehrt entwickelt sich dagegen das Volumen für Online-Werbung: Für 2019 prognostizieren die Medienexperten einen Online-Werbeumsatz von 2’272 Mio. Franken[2] – die stetige Zunahme der letzten Jahre im Online-Bereich hält damit an (2016: 1’983 Mio. Franken; 2017: 2’100 Mio. Franken; Zahlen der Stiftung Werbestatistik Schweiz).

Gefragt nach den „Gewinnern“ und „Verlieren“ an Werbevolumen unter den verschiedenen Mediengattungen bestätigt sich dieses Bild: Print, Fernsehen – und mit Abstrichen auch Radio – werden nach Meinung der befragten Experten mit rückläufigen Werbeeinnahmen zu kämpfen haben, während ausländische digitale Angebote (Suchmaschinen wie z. B. Google, Social Media wie z. B. Facebook oder Instagram), aber auch Schweizer Informationsportale im Netz, mit zunehmenden Werbeeinnahmen im Jahr 2019 rechnen dürfen[3].

Die Dominanz ausländischer Unternehmen im Online-Bereich ist eindrücklich: Google, Facebook, Instagram und Co. greifen das grösste Stück des Schweizer Online-Werbekuchens für sich ab. Die im DELPHInarium befragten Medienexperten gehen von einem durchschnittlichen Anteil ausländischer Unternehmen am Online-Werbevolumen in der Schweiz von knapp 70% aus[4].

50% der befragten Medienexperten schätzen, dass ausländische Unternehmen einen Anteil von 50 bis 74% des Schweizer Online-Werbevolumens auf sich vereinigen können. Weitere 42% gehen davon aus, dass der Anteil von Google und Konsorten bei bereits mehr als 75% liegt. Demgegenüber glauben nur gerade 8%, dass ausländische Unternehmen weniger als 50% des hiesigen Online-Werbevolumens abschöpfen können (Abbildung 2).

In Franken bedeutet das: Google, Facebook und Co. nehmen rund 1’600 Mio. Franken an Werbeeinnahmen in der Schweiz ein. Damit gehen nach den befragten Experten knapp 40% aller Werbeerlöse, die in die Medien investiert werden, an ausländische Anbieter. Sie können einen Anteil auf sich vereinigen, der fast so gross ist, wie derjenige der gesamten Presse und TV zusammen.
Diese Entwicklungen im Werbemarkt werden sich 2019 auch im journalistischen Bereich niederschlagen. Gefragt nach der Eintrittswahrscheinlichkeit von sieben Szenarien[5], wurden die folgenden drei von den DELPHInarium-Experten mit Anteilen von jeweils gut 90% für die Antwortkategorien „sicher“ oder „wahrscheinlich“ als die am ehesten eintreffenden eingestuft (Abbildung 3):

Der Stellenwert von Kooperationen zum Austausch von redaktionellen Inhalten (über Konzerngrenzen hinweg) wird zunehmen (92%)
Es wird zu weiteren Einstellungen von Medienprodukten kommen (92%)
Es wird zu weiteren Zusammenlegungen von Redaktionen kommen (88%)

Weiter wird Effizienzsteigerung durch Digitalisierung 2019 ein Thema bleiben: die Bedeutung von künstlicher Intelligenz im Journalismus – z. B. der Einsatz von Bots zur automatisierten Erstellung von Texten, wie sie ja von Keystone-SDA im Rahmen von Volksabstimmungen bereits getestet wurde – wird nach Meinung der Experten zunehmen.

Medienpolitik hingegen wird nach Einschätzung der befragten Experten auch in diesem Jahr nicht über ihr Schattendasein hinauskommen: Weder wird die Medienpolitik im bevorstehenden National- und Ständeratswahlkampf im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen, noch werden massgebliche Impulse für die Regulierung der Marktmacht von Google und Facebook erwartet. Und auch ein neues Mediengesetz wird 2019 nicht entscheidend vorangetrieben.
Von Politik und Öffentlichkeit dürfen sich die Schweizer Printmedien also nur wenig Aufmerksamkeit erhoffen. Es bleibt aber abzuwarten, wie sich das Medienjahr 2019 entwickeln und welche Überraschungen und unvorhergesehenen Ereignisse die Agenda bestimmen werden. Die Zukunft bleibt ungewiss – und damit spannend.

Zur Studie

Unter dem Begriff DELPHInarium publiziert die auf Medienforschung und -beratung spezialisierte Publicom zweimal jährlich Ergebnisse einer Expertenbefragung. Am Panel sind über vierzig Fachleute der führenden Medienunternehmen sowie Vertreter aus Werbung, Medienjournalismus, Kommunikationswissenschaft und Corporate Communications beteiligt.

[1] „Wie hoch wird das Werbevolumen in diesen drei Mediengattungen (Presse, TV und Radio) im Schweizer Markt im Jahr 2019 liegen?“ – offene Frage, Auswertung: Mittelwerte
[2] „Wie hoch schätzen Sie das Werbevolumen Online im Schweizer Markt im Jahr 2019?“ – offene Frage, Auswertung: Mittelwerte
[3] „Wie entwickeln sich die Werbeeinnahmen in den folgenden Gattungen im Jahr 2019?“ – Print/Radio/Fernsehen/Schweizer Informationsportale/Ausländische digitale Angebote (Suchmaschinen wie z. B. Google, Social Media wie z. B. Facebook oder Instagram) – Antwortskala: nehmen stark zu | nehmen leicht zu | bleiben gleich | nehmen leicht ab | nehmen stark ab
[4] „Wie viele Prozente des Online-Werbevolumens gehen Ihrer Meinung nach 2019 an ausländische Unternehmen (Suchmaschinen wie z. B. Google, Social Media wie z. B. Facebook oder Instagram)?“ – offene Frage, Auswertung: Mittelwerte
[5] „Wie stark werden die folgenden Szenarien Ihrer Meinung nach im Jahr 2019 eintreffen?“ Antwortskala: trifft sicher zu | trifft wahrscheinlich zu | trifft eher nicht zu | trifft sicher nicht zu

Quelle: publicom.ch

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