Ohne smarte Sensoren wäre vernetzte Produktion unmöglich. Sie liefern nicht mehr nur Fertigungsdaten, sondern verändern ganze Geschäftsmodelle – ein Überblick.

ft gehört, aber nur von wenigen wirklich verstanden: Das Schlagwort „Industrie 4.0“ beschreibt eine riesige wirtschaftliche Revolution, aber was konkret dahintersteckt, ist oft unklar.

Mit „Smarten Sensoren“ gibt es ein griffiges Beispiel für den Produktions-Megatrend der Vernetzung und Digitalisierung. Ohne sie wäre die neue und vernetzte Art, Unternehmen zu steuern, überhaupt nicht möglich. Die Sensoren tauschen Daten aus und wenden sogar eigene Algorithmen an. So sorgen sie nicht nur für eine deutlich effizientere Produktion – sie verändern die Geschäftsmodelle vieler Unternehmen von Grund auf.

Industrie: Sensoren beeinflussen viele Unternehmensbereiche

Längst sind die Sensoren dabei nicht mehr nur für Ingenieure interessant. Neben veränderten Produktionsprozessen schaffen sie auch neue Wartungs-Dienstleistungen. Außerdem müssen sich viele Mitarbeiter angesichts der Datenschätze und ihrer Vernetzung mit neuen und oft anspruchsvolleren Fragen beschäftigen, ihre Anforderungsprofile verändern sich. Und im Marketing entstehen durch die erhobenen Daten immer genauere Kundenprofile und damit immer individuellere Kommunikationsmöglichkeiten.

Die USA und zunehmend auch China geben weltweit den Takt an, wenn es darum geht, die Potenziale von Industrie 4.0, Vernetzung und Automatisierung zu nutzen. Deutschland und Österreich liegen bei ihrer Implementierung der vierten Stufe der industriellen Revolution immerhin noch knapp über dem Durchschnitt der Europäischen Union (EU). Die Schweiz dagegen fällt besonders mit einer Führungsrolle bei Digital-Technologie für mehr Produktionseffizienz positiv auf.

Was sind Smarte Sensoren?

Smarte Sensoren bestehen aus drei Elementen, die Umweltgegebenheiten in auswertbare Daten umwandeln: Sensor, Mikroprozessor und Kommunikationseinheit.

Während die Messwerte traditioneller Sensoren komplett von Menschen interpretiert werden, sind smarte Sensoren häufig über Netzwerke miteinander verbunden und wenden Algorithmen zur Auswertung von Daten an. Ergänzt werden sie um softe Sensoren, die nicht direkt messen, sondern mithilfe von Softwaremodellen sekundär ermittelte Daten verarbeiten.

Smarte Sensoren sind ein wichtiger Bestandteil von Industrie 4.0. Sie ermöglichen zusammen mit spezieller Software und weiteren technischen Aktoren die responsive und agile Produktion, die die Industrie 4.0 kennzeichnet.

Wo kann die digitale Technologie in Zukunft eingesetzt werden?

Veränderung durch Industrie 4.0 hat viele Facetten: Sie senkt Kosten, verändert Geschäftsmodelle und erfordert neue Jobprofile. Davon profitieren manche Sparten mehr als andere – unter dem Strich bieten sich aber große Chancen in allen Branchen. Unternehmen haben nun die Möglichkeit, Fragen zu stellen, für deren Beantwortung es früher keine valide Datengrundlage gab. Einige Beispiele für die Auswirkungen smarter Sensoren:

Nicht nur bei Predictive Maintenance: Smarte Sensoren senken Kosten

Unternehmen, die Mitarbeiter entsprechend qualifizieren und Produktionsprozesse anpassen, können beispielsweise durch neue Messtechnologien ihre Just-in-Time-Prozesse verbessern. Sinnvoll genutzte Sensoren senken außerdem Wartungszeiten und sie vermeiden Ausschuss. In einigen Branchen ermöglichen sie es zudem, Stückkosten und Stückerlöse in Zukunft präziser zu berechnen.

Digitalisierung: Smarte Sensoren verändern Industrie

Kluge Sensorenmessungen verkürzen Reaktionszeiten, ermöglichen kleinere Chargen und helfen so, schneller auf Kundenwünsche einzugehen. Der Trend geht weg von der reinen Produktionshilfe bei bestehenden Prozessen, hin zu neuen Dienstleistungen und Industrieprodukten. Sensoren werden so zum maßgeblichen Erfolgsfaktor für Innovationen und die Entwicklung neuer Geschäftsfelder.

Smarte Sensoren und Digitalisierung schärfen Mitarbeiterprofile

Im Rahmen der Industrie 4.0 werden viele Berufe aufgewertet, denn nun können neue Zusammenhänge erkannt und Prozesse entsprechend angepasst werden. Mitarbeiter arbeiten künftig als Industrial Data Scientists in der Roboterkoordination, sie koordinieren Lieferketten oder werden Simulationsexperten und Service-Ingenieure für die neuen Tools. Sie geben den erhobenen Daten einen Sinn, interpretieren sie und kommunizieren sie verständlich in andere Unternehmensbereiche. Damit werden sie im Unternehmen zu Brückenbauern.

In der Betriebsorganisation muss das Silodenken weiter abnehmen, damit neue Netzwerke entstehen können.

Autor: Martin Neuhold, Partner EY

 

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