Content Marketing ist nicht nur im Online Marketing, sondern auch im Influencer Marketing einer der großen Trends für das Jahr 2020. Dieser Meinung ist Torben Platzer, Co-Gründer der Medienagentur TPA Media. Der 32-Jährige schaut in seinem Gastbeitrag für HORIZONT Online in die Glaskugel und beschreibt die wichtigsten Influencer-Marketing-Trends für das kommende Jahr.

Mehr als die Hälfte der Deutschen (55 Prozent) sehen Influencer nur noch als bezahlte Werbefiguren. Das schadet der Authentizität immens und zeigt, dass es um die Glaubwürdigkeit nicht gutsteht. Auch die immer größer werdende Aufklärungsrate sorgt dafür, dass die User mittlerweile wissen, dass an vielen Stellen meist nur noch geworben wird, weil es etwas zu verdienen gibt. 2020 muss um und neugedacht werden, sonst wird das Influencer Marketing als solches nicht mehr attraktiv sein für Unternehmen.

Die kürzlich veröffentlichte Studie „Spotlight Influence 4.0“ von Wavemaker, die von der GroupM Forschungsunit MScience durchgeführt wurde, bringt genau diese Ergebnisse zu Tage. 90 Prozent der Befragten wussten, was ein Influencer ist und wie Influencer Marketing vom Prinzip her funktioniert. Zu den Größen zählen hierzulande Lena Meyer-LandrutLena Gercke sowie Sophia Thiel und Dagi Bee.

Trotzdem kaufen weiterhin 50 Prozent der Follower die Produkte, die in den Posts angepriesen werden. Für die Gen Y als auch Gen Z stehen die Lieblingsinfluencer mit ihren täglichen Posts und Stories den Idolen aus Serien und Musikindustrie in nichts nach.

Micro-Influencer immer beliebter

Immer beliebter werden Micro-Influencer, die durch ihre Nahbarkeit bei ihrem Publikum und ihrer Community punkten können: Hat jemand zwischen 5.000 und 100.000 Abonnenten, wird er noch nicht als kommerziell wahrgenommen und es gibt noch keine Distanz wie bei den Großen. Die Community hat immer häufiger mit dem Gefühl zu kämpfen, dass sie untergeht und sowieso nicht mehr an sie herankommt. Bei kleineren Accounts kann häufig noch eine Antwort auf Fragen erwartet werden und es entsteht eine echte Konversation über Probleme, die möglicherweise durch Produkte gelöst werden können.

Auch authentische Empfehlungen finden dort statt. Die Sympathie und Glaubwürdigkeit sind für 58 Prozent der Befragten in der „Spotlight Influence 4.0“ wichtig, sodass gefordert wird, nicht in jedem Post zu werben, sondern auch Inhalt und Benefit zu liefern ohne einen direkten monetären Gegenwert.

Content Marketing ist nicht nur im Bereich Online Marketing, sondern auch im Influencer Marketing einer der großen Trends für 2020: Wer liefert echten Mehrwert für seine Follower? Sowohl im Entertainment als auch im Informationsbereich wünschen sich User einen ehrlichen und wertvollen Benefit von den Influencern, denen sie folgen. Der erstellte Content sorgt für die Impressionen und steigende Identifikation. Wahrgenommene Autorität und Expertise lösen das Gefühl von Sicherheit aus, dass der Kanal zu einer Plattform wird, um selbst weiter zu kommen oder ein gutes Gefühl zu haben beim Konsumieren des Contents.

TikTok für rasantes Wachstum

Dabei ist es zukünftig vor allem wichtiger zu definieren, auf welcher Plattform sich die Zielgruppe aufhält, die man ansprechen möchte: TikTok gilt als einer der Favoriten für 2020, wenn es um rasantes Wachstum geht. Gleichzeitig ist noch eine Pionierstimmung zu beobachten, sodass einige Influencer in kürzester Zeit rasantes Wachstum zu verzeichnen haben und sich eine echte organisch gewachsene Fanbase aufbauen können. Während Instagram eine Milliarde aktive Nutzer pro Monat zu verzeichnen hat, holt TikTok mit bis zu 800.000 Millionen aktiven Nutzer weltweit und 46 Minuten Verweildauer pro Tag bereits auf (Stand Oktober 2019). Die User auf der Plattform sind zu 66 Prozent unter 30 Jahre alt und gelten überwiegend als Gen Z. Einige der großen Marken wie BMW, Mac Cosmetics und Nike haben dennoch die ersten Werbeanzeigen hier geschaltet, um die Generation der Käufer von morgen bereits heute mit Impressionen zu versorgen.

Der Trend von „Social Media Wellness“ wird sich auch 2020 fortsetzen, denn der Hashtag #DigitalDetox erfreut sich zunehmender Beliebtheit: So haben User die Nase voll von Spam-Nachrichten, einer Flut von E-Mails und hunderten von Werbestories über dasselbe Produkt. Es geht um Social Media-Achtsamkeit. Influencer müssen dringend lernen, umzudenken und mehr auf Qualität, statt auf Quantität setzen. Die Erfahrung, Content zu konsumieren und jemandem zu folgen, muss so gestaltet werden, dass Freude entsteht. Das darf auf keinen Fall durch zu viel Werbung negiert werden. Konsumenten werden noch stärker darauf achten und konsequent entfolgen.

Die User haben die Nase voll von Spam-Nachrichten, einer Flut von E-Mails und Hunderten von Werbestories über dasselbe Produkt.

In einer Studie von Altimeter wird im Report „The Rise of Digital Influence“ über das soziale Kapital eines Influencers gesprochen. Entscheidende Faktoren für Beeinflussung sind: Reichweite, Relevanz und Resonanz machen die Beziehung zwischen Influencer und Follower aus. 2020 muss folgendes Ziel gelten: Aus Followern eine Community zu machen, die im besten Fall ein gemeinsames Ziel verfolgt. Diese enge Bindung lässt ein Gefühl von Zusammenhalt und Zugehörigkeit entstehen. In dieser Community beworbene Produkte sollten dem großen Ganzen dienen und zu 100 Prozent zur Konversion in dieser passen. Jede unauthentische Empfehlung führt dazu, der Community weniger Halt zu geben. Umso wichtiger ist es, seiner eigenen Linie treu zu bleiben.

Laut der Edelman Earned Brand Studie aus dem letzten Jahr finden 46 Prozent der befragten Personen, dass Marken bessere Ideen entwickeln, um aktuelle Probleme zu lösen, als die Regierung. Der daraus resultierende Trend ist der des „Sinnfluencers“: Jemand, der seinem Business einen Sinn und Zweck gibt und sein „Warum“ genau definiert hat. Dadurch verstehen Menschen, wieso sie dieser Person folgen sollten. Die Bedeutung des persönlichen Gesprächs zwischen Influencer und Follower wird umso relevanter, wenn soziale Netzwerke wie Instagram und Facebook die Likes wirklich abschaffen. Getestet wird das bereits. Es geht 2020 also per se nicht mehr darum etwas nur schön zu finden, sondern dran zu bleiben und zu interagieren. Das Ziel muss sein, ein Medium des Vertrauens zu werden, bei dem der Follower gerne vorbeischaut, weil er sich verstanden fühlt.

Die aktuelle Technologie wird das noch stärker fördern: Der Ausbau von Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR) werden 2020 die großen Entwicklungen sein, die auf den Social Media-Kanälen immer weiter integriert werden. Nicht nur große Unternehmen wie Coca-Cola werden damit experimentieren, sondern auch Influencer im Tech-Bereich werden sich diese zunutze machen, und so dazu beitragen, dass eine fiktive Realität erschaffen wird, die für viele in der Offlinewelt nicht möglich ist. Es bleibt und wird spannendes neues Jahr werden, dieses Jahr 2020.

Quelle: HORIZONT Veröffentlicht: 05.12.2019 Originalartikel: https://www.horizont.net/marketing/kommentare/social-media-wellness–co-das-sind-die-influencer-marketing-trends-2020-179296

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