28.01.2020 – Für Retailer können die richtigen Technologien entscheidend für den Erfolg im Wettbewerb sein. Doch welches Potenzial verbirgt sich für Händler hinter Schlagworten wie Big Data, Augmented Reality oder Künstlicher Intelligenz? Vier wichtige Digitaltrends für 2020, die entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit von Retailern sind.

von Susan Rönisch

Geht es nach Holger Neckenbürger , Account Director und Digital-Marketing-Experte bei der Schweizer Fullservice-Digitalagentur Namics  , entscheidet 2020 der Umgang mit Innovationen über Sieg oder Niederlage. Er hat vier digitale Entwicklungen im Handel unter die Lupe genommen:

Trend 1: Von Big Data zu Usable Data

Der Handel hat die Wichtigkeit von Daten mittlerweile verstanden. Große Datenmengen sind bereits vorhanden. Doch Big Data hilft nur dann, wenn die Daten auch richtig interpretiert werden. Silos und die Blackbox, in der viele Algorithmen arbeiten, erschweren das. Das übergeordnete Ziel lautet: vorhandene Datensilos aufbrechen und zusammenführen. Denn nur wer Daten zielorientiert sammelt und nutzbar macht, wird im Wettbewerb die Nase vorne haben.

Geht es nach Neckenbürger verwendet man besser eine einfache Lösung, die man beherrscht, als eine große, die intern nicht handhabbar ist. Algorithmen sollten dabei möglichst individualisiert sein und vom Unternehmen selbst definiert werden, um sie besser zu verstehen und gleichzeitig bewusst Blackboxen abzubauen. Die Daten- und Auswertungshoheit sollte ebenfalls inhouse liegen. Systemintegrationen sind ein weiterer wichtiger Punkt, also das Verwenden ganzheitlicher technologischer Systeme zur optimalen Nutzung aller vorhandenen Daten.

Trend 2: Augmented Reality auf dem Vormarsch – wie wird sich der Trend weiter etablieren?

Augmented Reality (AR) bietet dem Handel Möglichkeiten, das Produkt sowie das Kauferlebnis am POS oder auch bei den Kunden zu Hause zu emotionalisieren. Darüber hinaus spielt das Thema Beratung eine wesentliche Rolle. Mittels AR können Kunden etwa Kleidungsstücke zu Hause „anprobieren“ oder Hersteller ihre Bauanleitungen für Möbel einfach und anschaulich darstellen.

First Mover sind hier gefragt, die den Endkunden erste Apps anbieten, um das Kauferlebnis zu optimieren. Hierbei ist laut Neckenbürger unbedingt auf zwei Faktoren zu achten:

  • Easy to use: Die AR muss einfach und unkompliziert zu nutzen sein, damit sie Akzeptanz bei den Kunden schafft.
  • Technology: Die Anwendung muss technologisch so ausgereift sein, dass sie auf jedem Endgerät des Kunden ein gutes Nutzungserlebnis bietet.

 

Trend 3: Social Media im Wandel – Social Commerce, Influencer Marketing und neue Kanäle

Social Media an sich ist längst nicht mehr als innovativer Trend anzusehen. Allerdings entsteht innerhalb des Social-Media-Universums neues Potenzial. Folgende Entwicklungen sind Neckenbürger zufolge besonders zu beachten:

  • Social Commerce und Social Shopping werden ein wichtiger Bestandteil im Umsatzmix des Handels.
  • Influencer Marketing nimmt an Bedeutung weiter zu, um Produkte authentisch zu positionieren und die Kommunikation zum Produkt zu steigern.
  • Neue Kanäle wie TikTok gewinnen Marktanteile und erhalten Relevanz im Kanalmix.
  • Big Data und AR beeinflussen Social Media zunehmend und sorgen innerhalb der Kanäle für Mehrwerte und damit auch für neue Konsumtrigger.

Was bedeutet das für den Handel? Social Media verändert sich – und das sollten auch die Unternehmen tun. Konkret heißt das: die (bestehende) Social-Media-Strategie hinsichtlich dieser Trends ausweiten. Dafür müsse der Handel neue Kanäle, Produkte, Apps und Skills bewerten, deren Potenzial für das eigene Unternehmen bestimmen und neue Werbe- und Platzierungsmöglichkeiten nutzen. Für Neckenbürger gilt dabei: Priorisierung statt Verwässerung. Durch Beta-Tests sowie umfangreiche Kosten-Nutzen-Analysen lassen sich die Potenziale einkalkulieren.

Die Schwierigkeit beim Influencer Marketing wird sein, in der zunehmenden Masse der Influencer die richtigen für sich zu gewinnen. Hier sollten Unternehmen gut sondieren und die Top-Influencer von der Zusammenarbeit überzeugen. Und natürlich geht es auch hier wieder darum: First-Mover-Effekte nutzen – besonders bei emotionalen Produkten.

Trend 4: Next-Level-Personalisierung durch Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz wird helfen, den Kunden noch stärker personalisierte und an den Bedürfnissen orientierte Produkte anzubieten. So nehmen etwa Smart Home Devices und Voice Search eine zunehmend wichtige Rolle ein. Diese Entwicklung kann der Handel nutzen, dem damit neue Kanäle und Verkaufsmöglichkeiten zur Verfügung stehen: beispielsweise über smarte Avatare, die Kunden auf Basis gesammelter und intelligent verknüpfter Daten vor dem Kauf beraten. Amazon Echo Look macht es vor.

Neckenbürger Tipp für den Handel: Mut haben neue Wege zu gehen. Der Retail sollte die neuen Möglichkeiten, gegeben durch KI und Smart Home Devices wie Echo, analysieren und kreative Ideen entwickeln, um Kunden individuell anzusprechen. Denn hier können Unternehmen noch First-Mover-Effekte generieren. Bei der Planung und Erstellung der Personalisierungsstrategie sollten sie neben der Ansprache und den Personalisierungsgraden besonders die technologischen Voraussetzungen berücksichtigen. Er empfehle Beta-Testing, um die Effekte zunächst zu analysieren und im Anschluss daran Skills, Personalisierungen et cetera bei Bedarf nachzujustieren.

Quelle: onetoone.de

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