Google bekämpft die jahrelange Deflation der Kosten pro Klick durch eine noch stärkere Inflation der gesamten Klicks – und gibt neuerdings keinen CPC je Quartal mehr preis. Stößt das Geschäftsmodell an seine Grenzen?

Vor fünf Jahren habe ich schon einmal hier im Blog über dieses außerhalb der Medien- und Online-Marketing-Szene wenig beachteten Faktors geschrieben: Den anhaltenden Preisverfall bei Google-Anzeigen, gemessen an dem Betrag, den Google im Schnitt pro Klick auf eine Web-Anzeige erhält (Cost per Click, CPC).

Seinerzeit befand sich der CPC seit Jahren im Rückwärtsgang – das letzte Plus datiert auf das dritte Quartal 2011. Schon damals wurde das Geschäft für alle Unternehmen, die mit Internet-Anzeigen Geld verdienen wollen, immer schwieriger.

Seitdem hat eine regelrechte Deflation des CPC eingesetzt – und zwar mit wachsendem Tempo: Die folgende Grafik zeigt den CPC von Google; rechts im ersten Quartal 2015 – und ganz links im dritten Quartal 2019:

Quelle: ZDNet

Der Preisverfall bei Online-Werbung hat sich in den vergangenen fünf Jahren also weiter beschleunigt. Kompensieren konnte Google die Deflation bei den einzelnen Klicks durch eine Inflation bei der Gesamtzahl bezahlter Klicks.

Oder anders ausgedrückt: Google verdient bis heute dadurch mehr Geld, indem es die bezahlten Klicks (blau) stärker steigert, als der Preisverfall bei den einzelnen Klicks wieder auffrisst (rot):

Quelle: ZDNet

Ein nachhaltiges Geschäftsmodell sieht anders aus. Denn: Wie lange kann Google die bezahlten Klicks noch ausweiten? Grenzen gibt es unter anderem durch den Wechsel in Richtung Mobile und die dort begrenzten Flächen für Online-Anzeigen.

Und – wie ZDNet zu recht anmerkt: Bei der Vorlage der Zahlen fürs vierte Quartal und das komplette Geschäftsjahr 2019 hat Google erstmals kein Update mehr für seine Klick-Metrik CPC mehr angegeben. Ein mögliches Zeichen dafür, dass dem Markt für Online-Werbung stürmische Zeiten bevorsteht? Gut möglich.

[Quelle: Kroker’s Look @ IT]

 

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Über den Autor

Michael Kroker
Michael Kroker

Redakteur Ressort „Innovation+Digitales“,
WirtschaftsWoche // XING Spitzenwriter 2018 / LinkedIn Top Voice 2017

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