Der Chemiekonzern setzt auf den Ausbau der Elektromobilität. Doch das Coronavirus und die schwache Autobranche hinterlassen tiefe Spuren.

Der Spezialchemiekonzern Lanxess setzt große Hoffnungen in den Ausbau der Batterietechnik-Infrastruktur in Europa. „Das ist ein Segment, aus dem die chemische Industrie insgesamt Vorteile ziehen wird. Wir wollen daran Anteil haben“, sagte der Lanxess-Vorstandsvorsitzende Matthias Zachert am Mittwoch in einer Telefonkonferenz. Das Unternehmen geht von einem Umsatzpotential für Lithium-Ionen-Batterien für die gesamte Chemiebranche von 8 bis 9 Milliarden Euro aus. Chemikalien würden gut 60 Prozent der Kosten in einer Batterie ausmachen. „Viele Hersteller bauen das auf, selbst Elon Musk will eine Megafabrik aufziehen, die werden alle ihre Zulieferer brauchen“, sagte Zachert.

Eine eigene starke Position erwartet der Lanxess-Chef vor allem wegen des sogenannten Lithiumhexafluorophosphat, kurz LiPF6. Das Elektrolyt besteht aus drei Molekülen, die für Li-Ionen-Batterien wichtig sind. Für das enthaltene Phosphor sieht sich Lanxess mit einem Zukauf eines Werks in Amerika gut aufgestellt, zudem gehört das größte Flusssäurewerk in Europa dem Spezialchemiekonzern und steht in Leverkusen.

Für das Lithiummolekül hat Lanxess im Werk in El Dorado in Amerika eine Pilotanlage installiert, um Lithium aus Brom-Sole zu extrahieren. „Normalerweise wird an Salzseen viel Energie eingesetzt, um Wasser zu verdampfen und Lithium zu gewinnen. Das ist bei uns nicht nötig.“ Noch erprobt der Kölner Konzern, ob sich die Anlage wirtschaftlich lohnt und technisch möglich ist. Bis zu drei große Anlagen will Zachert im Erfolgsfall dort bauen. „Das hätte enormes Potential“, sagt der Lanxess-Chef.

Neue Kunden melden sich

Gut positioniert sei das Unternehmen auch beim Flammschutz und den Kunststoff-Materialien für die Batterie-Gehäuse. Zwar wird das frühestens in drei bis vier Jahren wirklich ein wirtschaftliches Thema für das Unternehmen. Doch sieht Zachert einen Trend: „In den letzten 15 Monaten haben uns Kunden aus Korea, China und Japan kontaktiert, mit denen wir noch nie zu tun hatten – die wollen ihre Rohstoffkette schließen.“ Lanxess arbeitet deshalb daran, nicht nur Zulieferer von Einzelkomponenten, sondern Komplettanbieter zu sein.

Im laufenden Jahr will das Unternehmen 500 Millionen Euro in Werke investieren, davon 300 Millionen in die Standorte in Deutschland. Durch den Verkauf des Organometall-Geschäfts und der Anteile am Chemieparkbetreiber Currenta fließen dem Unternehmen mehr als 800 Millionen Euro zu. Einen Teil davon investiert Lanxess in Aktienrückkäufe, in zwei Tranchen zu jeweils 250 Millionen Euro sollen bis zu 10 Prozent des Grundkapitals zurückgekauft werden. „Wir haben in den letzten Monaten einen massiven Kursverfall in der chemischen Industrie gesehen“, sagte Zachert. Auch der Vorstandsvorsitzende selbst glaubt offenbar an steigende Kurse, so hat er gerade für mehr als eine halbe Million Euro Lanxess-Aktien gekauft.

„Gravierende Auswirkungen“ durch Corona

Für das laufende Geschäftsjahr ist der Spezialchemiekonzern vor allem wegen des neuartigen Coronavirus vorsichtig. In China hätten Anlagen bis zu zwei Wochen stillgestanden, Unterbrechungen der Logistikketten machen dem Unternehmen dort immer noch zu schaffen. „Wir sehen, dass Corona seine Spuren hinterlässt“, sagte Zachert. Auch in Europa, wo Lanxess gut die Hälfte des Umsatzes erzielt, erwartet Zachert im zweiten Quartal „gravierende Auswirkungen“.

Autor

Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.