Weiße Hand schnippt schwarzen Mann – ein Zufall?

Eigentlich ist dieser Werbefilm zu doof und zu offen rassistisch, um echt zu sein. Eigentlich. Doch der Volkswagen-Konzern, der aktuell wegen des fragwürdigen Justiz-Deals im Dieselskandal ohnehin in der Schusslinie steht, hat inzwischen gegenüber HORIZONT eingeräumt, dass es sich bei dem auf Instagram geposteten Spot eben nicht um einen Fake handelt. Auch wenn VW nun von einem “Fauxpas” spricht und sich entschuldigt, stellt sich die Frage, wie das passieren konnte.

Wer sich nicht ständig in sozialen Medien herumtreibt und den dort gepflegten Meme-Hype verfolgt, der dürfte beim Betrachten des Werbefilmchens für den neuen Golf nur Bahnhof verstehen. Zu sehen ist nicht etwa eine gute Story um den inzwischen 35 Millionen Mal gebauten VW-Klassiker, sondern eine Art Puppenspiel. In der Hauptrolle: Ein schwarzer Mann, der von einer riesigen weißen Hand sehr unsanft in ein Haus geschnipst wird, auf dem “Petit Colon” steht.


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Das ist nicht nur deshalb dämlich, weil der Golf, um den es ja eigentlich gehen sollte, nur eine Nebenrolle spielt. Er steht nämlich einfach nur vor dem Haus. Sondern auch deshalb, weil sich dieses Bild durchaus auch als Anspielung auf die europäische Kolonialgeschichte verstehen lässt, wie einige Social-Media-Nutzer nicht zu unrecht argumentieren.

Dass aus der Kritik am Ende ein regelrechter Shitstorm wurde, hat allerdings mit einem Detail zu tun, das man beim oberflächlichen Betrachten des Werbefilms leicht übersieht. Denn die Buchstaben der Werbebotschaft “Der neue Golf” werden am Ende des Commercials so eingeblendet, dass für einen kurzen Moment das N-Wort (“Neger”) sichtbar wird.

Dass der Spot, den offenbar die Agentur Voltage aus der DDB-Gruppe entwickelt hat, auf scharfe Kritik stößt, dafür hat man bei Volkswagen vollstes Verständnis. “Wir können die Empörung und Wut als Reaktion auf das Video verstehen”, heißt es in einer Stellungnahme des Konzerns, die HORIZONT vorliegt. Das Video, das Teil einer größeren Reihe sei, sei “falsch und geschmacklos”, heißt es darin weiter. Volkswagen positioniere sich schon vor dem Hintergrund seiner eigenen Unternehmensgeschichte gegen jede Form von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung. Daher distanziere sich der Konzern von dem Spot und entschuldige sich dafür.

Die Frage, warum die Kontrollinstanzen bei der zuständigen Agentur versagten und der Werbefilm am Ende auch den Segen der VW-Marketer erhalten konnte, wird aber noch nicht beantwortet. Das soll sich aber bald ändern. “Wir werden aufklären, wie das passieren konnte – und Konsequenzen daraus ziehen”, kündigt ein Sprecher gegenüber HORIZONT an.

Volkswagen ist nicht das einzige namhafte Unternehmen, dem ein solcher Fauxpas unterlaufen ist. So sorgte Edeka vor dreieinhalb Jahren in einer von Jung von Matt kreierten Weihnachtskampagne für Schlagzeilen, weil das Nummernschild eines in dem Werbefilm abgebildeten Autos an Nazi-Symbolik erinnerte.

Update
Inzwischen hat sich auch VW-Marketer Jürgen Stackmann auf Twitter zu dem Vorfall geäußert.

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Quelle
horizont.net